
Long COVID-News
Wir recherchieren und veröffentlichen aktuelle, qualitätsgesicherte Informationen zum Stand der Forschung und zu Therapie- und Rehabilitationsmöglichkeiten beim Long COVID-Syndrom.
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Pilotstudie: Krebsmedikament Daratumumab zeigt auch bei ME/CFS positive Wirkung
In einer Pilotstudie der Universität Bergen (Norwegen) wurden bei 6 von 10 Patientinnen nach der Injektion des Medikaments Daratumumab (monoklonaler Antikörper) positive Ergebnisse beobachtet. Bisher wurde dieses in der Krebstherapie eingesetzt. Bei sechs Probandinnen erhöhte sich die körperliche Leistungsfähigkeit, während die ME/CFS-Symptomatik zurückging. Auch konnten die Patient*innen teilweise wieder mehr als 10.000 Schritte am Tag gehen. Nun ist eine randomisierte Placebo-kontrollierte Phase-II-Studie geplant.
Zur Studie: https://www.frontiersin.org/journals/medicine/articles/10.3389/fmed.2025.1607353/full
Grundlagenforschung: Wirkstoff Pyridostigmin verbessert die Handkraft bei ME/CFS
In einer am Institut für Medizinische Immunologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin durchgeführten Studie wurde bei 20 ME/CFS-Patient*innen die Wirkung von Pyridostigmin untersucht. Der Wirkstoff wird vor allem zur Behandlung von neuromuskulären Erkrankungen eingesetzt, um die Muskeltätigkeit anzuregen. Die Ergebnisse waren vielversprechend: So konnte nach Verabreichung des Medikaments mittels Handkraftmessung eine rasche Steigerung der Muskelkraft festgestellt werden. Den Forschenden zufolge rechtfertigt dies weitere Untersuchungen in kontrollierten Studien.
Zur Studie: https://www.frontiersin.org/journals/neuroscience/articles/10.3389/fnins.2025.1637838/full
Praxisleitfaden zu ME/CFS für Ärzt*innen
Ein kostenlos zugänglicher Leitfaden bietet grundlegende Informationen zum Krankheitsbild ME/CFS und gibt Hinweise zu Fragestellungen in der allgemeinmedizinischen Praxis sowie evidenzbasierte Informationen zur symptomatischen Behandlung nach aktuellem Stand der Wissenschaft. Entwickelt wurde der Leitfaden von der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS in Kooperation mit dem Charité Fatigue Zentrum (CFC).
Zum Leitfaden: https://praxisleitfaden.mecfs.de/mecfs
Ärztekammer Niedersachsen befürwortet weitere Post COVID-Ambulanzen
Um eine interdisziplinäre Versorgung zu gewährleisten, hat sich die stellvertretende Präsidentin der niedersächsischen Ärztekammer, Marion Charlotte Renneberg, für weitere Ambulanzen im Flächenland ausgesprochen. Derzeit gibt es landesweit lediglich zwei solcher Angebote: an der Medizinischen Hochschule Hannover sowie an der Universitätsmedizin Göttingen.
Positive Erfahrungen mit multidisziplinärer Versorgung bei schwerem ME/CFS
Wissenschaftler*innen aus Großbritannien berichten in einem Meinungsartikel von positiven Erfahrungen in der Versorgung von ME/CFS-Betroffenen. Das Leeds National Inpatient Centre for Psychological Medicine bietet Patient*innen mit schweren und komplexen ME/CFS-Symptomen eine multidisziplinäre stationäre Versorgung auf Grundlage eines biopsychosozialen Ansatzes. Symptome werden sowohl in Bezug auf die biologischen Aspekte der Erkrankung als auch unter Berücksichtigung psychologischer (Einfluss von Gedanken und Emotionen) und sozialer Dimensionen (Familie, Beziehungen und gesellschaftliche Überzeugungen) behandelt.
Mehr unter: https://www.bmj.com/content/389/bmj.r977
Stigmatisierung und Psychologisierung bei Long COVID- und Post-Vac-Syndrom
In einer Onlinebefragung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Leipzig berichtet die Mehrheit der Betroffenen über Stigmatisierung (89 Prozent) sowie über wahrgenommene (88 Prozent) und erfahrene (84 Prozent) Psychologisierung in der ärztlichen Versorgung. Dies führt bei den Patient*innen zu Vertrauensverlust in die Medizin und zu geringerem Wohlbefinden. Die Forschenden verbinden diese Erkenntnis mit einer Forderung an Politik und das Gesundheitssystem, das wachsende Wissen über Long COVID mittels Weiterbildungen in die Gesundheitsversorgung, insbesondere zu Hausärzt*innen zu bringen.
Zur Studie: https://bmcmedicine.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12916-025-04335-0
Visuelles Testverfahren für Patient*innen mit starker Erschöpfung und Sauerstoffsättigungsdefiziten
Ein Forschungsteam an der Universitätsklink Erlangen hat mittels einer Nahinfrarot-Regional-Spektroskopie (NIRS) bei Long COVID-Patient*innen mit PEM (Belastungsintoleranz) eine niedrigere Sauerstoffsättigung festgestellt. Der Sauerstoffmangel führt zu Kurzatmigkeit, Müdigkeit sowie zu einem erhöhten Herzschlag. Die Forschenden haben die Hoffnung, dass mit diesem visuellen Untersuchungsverfahren für eine spezifische Patient*innen-Gruppe ein aussagekräftiger Biomarker zur Diagnose von Long COVID entwickeln werden kann.
Zur Studie: https://www.mdpi.com/2227-9059/13/6/1371
Wirkung von Fasten und Kalorienbeschränkung auf Long COVID-Symptome
Ein internationales Team von Forschenden hat im Rahmen einer Literaturstudie Hinweise auf die positive Wirkung von Fasten und Kalorienbeschränkung recherchiert. Beides könnte geeignet sein, um Long COVID-Symptome wie Müdigkeit, kognitive Beeinträchtigungen und chronische Entzündungen zu lindern. In verschiedenen Studien wurde beschrieben, dass Nüchternheit und Kalorienrestriktion systemische Entzündungen reduzieren, die Insulinsensitivität verbessern und die metabolische Gesundheit unterstützen können. Zum Nachweis der Wirksamkeit sowie zur optimalen Dauer, Häufigkeit und Art des Fastens beim Long COVID-Syndrom sind randomisiert kontrollierte Studien notwendig.
Mehr unter: https://academic.oup.com/nutritionreviews/advance-article/doi/10.1093/nutrit/nuaf141/8251944#531589631
Arztbrief zu ME/CFS besser verstehen
Da medizinische Befunde für viele Betroffene kaum oder gar nicht verständlich sind, hat die unabhängige Was hab’ ich? gemeinnützige GmbH in Zusammenarbeit mit Selbsthilfe-Organisationen einen Beispielbefund für ME/CFS entwickelt und diesen in leicht verständlicher Sprache erklärt. Der Bericht ist unter selbst-verstehen.de abrufbar. Die Erklärung kann dazu beitragen, dass Patient*innen ihre Erkrankung besser verstehen und bewusste Entscheidungen für weitere Behandlungen und ihre Gesundheit treffen können.
Mehr unter: https://selbst-verstehen.de/befund/me-cfs
Antiallergisches Nasenspray könnte Risiko für SARS-CoV-2-Infektionen signifikant senken
In einer Placebo-kontrollierten Studie mit 450 Teilnehmer*innen an der Universität des Saarlandes wurde eine positive Wirkung des Arzneistoffs Azelastin (Antihistaminikum) nachgewiesen. Lediglich 2,2 Prozent infizierten sich mit SARS-CoV-2, während der Anteil in der Gruppe, die ein Placebo-Medikament erhielt, dreimal so hoch war. Auch wurden weniger symptomatische SARS-CoV-2-Verläufe sowie eine insgesamt geringere Anzahl von Atemwegsinfektionen festgestellt. In weiteren Studien sollte nun erforscht werden, ob das Nasenspray für Risikogruppen oder in Hochinzidenzphasen eine einfach zugängliche Ergänzung zu bestehenden Schutzmaßnahmen darstellen könnte.
Zur Studie: https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2838335