Long COVID-News

Wir recherchieren und veröffentlichen aktuelle, qualitätsgesicherte Informationen zum Stand der Forschung und zu Therapie- und Rehabilitationsmöglichkeiten beim Long COVID-Syndrom.

Rehabilitation

Rehabilitation bei Long COVID: Was zeigt die bisherige Evidenz?

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit hat untersucht, was sich über die Wirksamkeit von Rehabilitation bei Long COVID sagen lässt. Forschende der Northumbria University in Großbritannien werteten zwölf Studien aus den Jahren 2020 bis 2025 mit insgesamt 1.403 Betroffenen aus. Kurzfristig zeigten sich im Vergleich zur üblichen Versorgung Verbesserungen bei der körperlichen Leistungsfähigkeit, bei Atemnot und bei Angstsymptomen. Für längerfristige Effekte fiel die Evidenz nach einer quantitativen Analyse dagegen begrenzt und uneinheitlich aus, auch, weil nur wenige Studien Nachuntersuchungen umfassten.
Auch die Reha-Programme unterschieden sich deutlich in ihren jeweiligen Bewegungs- und Schulungskomponenten: Sie kombinierten beispielsweise Ausdauer- und Krafttraining mit Atemübungen, Symptommanagement oder psychologischer Unterstützung. Die Autor*innen weisen zudem darauf hin, dass in den eingeschlossenen Studien eine Verschlechterung durch Belastung bzw. Post-exertionelle Malaise (PEM) nicht systematisch erfasst wurde.

Zur Studie: Rehabilitation in long COVID: a systematic review and meta-analysis – https://publications.ersnet.org/content/erjor/12/4/00133-2026?

Forschung

Immunadsorption bei Post-COVID: Autoantikörper entfernt, Beschwerden nicht verbessert

Eine Immunadsorption, auch als Blutwäsche bezeichnet, hat bei Menschen mit Post-COVID zwar bestimmte Autoantikörper im Blut deutlich reduziert, die Beschwerden aber nicht stärker gelindert als eine Scheinbehandlung. Das zeigt die randomisierte IAMPOCO-Studie der Universitätsmedizin Mainz mit 40 Teilnehmenden. Bei der Immunadsorption werden Autoantikörper aus dem Blut entfernt. Untersucht wurden dabei unter anderem Autoantikörper gegen bestimmte G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR). Obwohl diese durch die Behandlung deutlich reduziert werden konnten, zeigte sich kein messbarer Vorteil bei der Veränderung der Symptomschwere gegenüber der Scheinbehandlung. Die Studie zeigt damit, dass die Entfernung dieser Autoantikörper allein nicht zu einer Verbesserung der Beschwerden führt. Welche Rolle die Antikörper bei Post-COVID tatsächlich spielen, bleibt damit offen.

Zur Studie: https://www.thelancet.com/journals/lanepe/article/PIIS2666-7762(26)00156-0/fulltext 

Zu einem einordnenden Artikel: DocCheck: Post-COVID: Schluss mit Wischi-Waschi. (https://www.doccheck.com/de/detail/articles/53932-post-covid-schluss-mit-wischi-waschi)

Studienteilnahme

Aufruf: Persönliche Geschichten an NRW-Behörden senden

Die Initiative NichtGenesen NRW ruft Menschen mit Long COVID, Post COVID, ME/CFS und Post-Vac-Syndrom in Nordrhein-Westfalen dazu auf, ihre persönlichen Erfahrungen an zwei zuständige Stellen der Landesregierung zu schicken: an die NRW-Landesbehinderten- und Patientenbeauftragte Claudia Middendorf und als persönliche Einzelpetition an den Petitionsausschuss des Landtags NRW. Viele Betroffene erleben große Probleme bei der medizinischen Versorgung. Hinzu kommen Schwierigkeiten mit Krankenkassen, Behörden, Sozialgerichten, dem Pflegegrad, dem Grad der Behinderung und der Erwerbsminderungsrente. Manche Menschen verlieren durch die Erkrankung ihre finanzielle Absicherung. Gleichzeitig fehlt weiterhin ein flächendeckendes Versorgungsnetz. Diese persönlichen Geschichten müssen bei den zuständigen Stellen des Landes sichtbar werden. Aus dem Landtag NRW wurde der Initiative ausdrücklich empfohlen, dass möglichst viele Betroffene ihre eigenen Erfahrungen als Einzelpetition einreichen. Je mehr Menschen ihre eigene Geschichte schildern, desto deutlicher wird, wie prekär die medizinische, soziale, finanzielle und behördliche Situation in Nordrhein-Westfalen ist.

Die Patientenbeauftragte NRW ist erreichbar unter kontakt@lbbp.nrw.de, der Petitionsausschuss ist unter https://www.landtag.nrw.de/home/petitionen/der-petitionsausschuss.html zu finden. 

Studienteilnahme

Studie der Uni Mainz zum Umgang mit körperlichen Beschwerden und Erschöpfung

Wie gehen Menschen mit körperlichen Beschwerden und Erschöpfung um? Das möchten Forschende der Universität Mainz besser verstehen – und suchen dafür Studienteilnehmende. Untersucht wird, wie gut zwei Fragebögen wissenschaftlich erfassen, welche Gedanken oder Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Beschwerden auftreten und wie viel Kontrolle Personen über ihre Beschwerden erleben. Dafür sollen gezielt auch Personen befragt werden, die unter starker oder chronischer Erschöpfung leiden. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, zu bewerten, wie Betroffene mit ihren Beschwerden umgehen. Ebenso will die Studie nicht andeuten, dass Krankheitsbilder, die durch chronische Erschöpfung gekennzeichnet sind (z.B. ME/CFS, Long-Covid), psychologisch verursacht sind.

Teilnehmen können Personen ab 18 Jahren, die im Alltag keine oder nur wenig Erschöpfung oder auch stärkere bis chronische Erschöpfung (z.B. ME/CFS, Post Covid) erleben. Interessierte finden im unten stehenden Link eine kurze Online-Umfrage zu Beschwerden und ihrem Umgang damit (ca. 15-20 Minuten) sowie eine zweite freiwillige Online-Umfrage nach vier Wochen (ca. 5 Minuten). 

Zur Umfrage: https://sosci.rlp.net/koerperliche_beschwerden/

Politik

DGPPN und DGPM haben ein gemeinsames Positionspapier zum Post COVID-Syndrom veröffentlicht. Darin wenden sie sich gegen eine Bagatellisierung der Erkrankung und fordern einen interdisziplinären Ansatz in Diagnose, Behandlung und Forschung.

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Forschung

Warum Long COVID so vielfältig ist: Immunstörungen, Virusreservoire und Mikrothrombosen – eine Übersichtsarbeit fasst die aktuellen Erkenntnisse zusammen.

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Forschung

Ein aktueller Cochrane-Review liefert neue Erkenntnisse zur ambulanten Behandlung von COVID-19. Das American College of Physicians (ACP) hat darauf basierend seine Praxisempfehlungen aktualisiert – mit wichtigen Hinweisen auch für Deutschland.

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Versorgung

Vier Wirkstoffe bald im Off-Label-Use erstattungsfähig

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat den Weg für den Off-Label-Use von vier Wirkstoffen für Betroffene von Long COVID und ME/CFS frei gemacht: Ivabradin bei PoTS (Posturales orthostatisches Tachykardie-Syndrom), wenn Betablocker nicht vertragen werden; Metformin zur Prophylaxe von Long COVID bei Übergewichtigen (BMI >25) sowie Agomelatin gegen Fatigue und Vortioxetin bei kognitiven Beeinträchtigungen und depressiven Symptomen. Gesetzlich versicherte Long COVID-Betroffene können die Medikamente damit auf Rezept erhalten, die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Expert*innen betonen jedoch: Der Off-Label-Use ist eine Übergangslösung – weitere Forschung zu wirksamen Therapien bleibt dringend notwendig.


Zum Artikel:
https://www.aerzteblatt.de/news/longpost-covid-vier-wirkstoffe-bald-im-off-label-use-erstattungsfahig-c250def6-580b-4807-814b-0535002daee7

Statistik

OECD erwartet bis 2035 weiter Milliardenkosten durch Long COVID

Long COVID wird Gesundheitssysteme und Wirtschaft noch lange belasten: Laut einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) könnten die direkten Gesundheitskosten bis 2035 jährlich bei rund elf Milliarden US-Dollar liegen – hinzu kämen indirekte Kosten durch Arbeitsausfälle und Produktivitätsverluste von bis zu 135 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Der Bericht zeigt aber auch: Lediglich Australien, Österreich, Kanada und die Niederlande haben eine nationale Long COVID-Strategie. Weiterhin mangelt es an einheitlichen Versorgungswegen und Schulungen für medizinisches Personal. Deutsche Long COVID-Initiativen werden indes als vergleichsweise weit fortgeschritten hervorgehoben.

Zum Artikel:
https://www.aerzteblatt.de/news/oecd-erwartet-bis-2035-weiter-milliardenkosten-durch-long-covid-f3c96f39-24c4-45f7-8741-3f5a1e1634dd

Zum OECD-Report:
https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2026/03/addressing-the-costs-and-care-for-long-covid_e203e3d0/87a0c171-en.pdf

Behandlung

Diabetesverbände empfehlen Fünf-Punkte-Plan für ME/CFS-Betroffene mit Diabetes

Die Behandlung von Menschen mit Diabetes und ME/CFS erfordere gute Kenntnisse über beide Erkrankungen und deren Wechselwirkungen, sagt Prof. Dr. med. Carmen Scheibenbogen von der Charité Universitätsmedizin Berlin. Nicht nur könnten sich beide Erkrankungen aufeinander auswirken – Symptome könnten auch fehlinterpretiert werden, etwa wenn Blutzuckerabfälle mit Kreislaufproblemen verwechselt werden. Der Verband der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfehlen deshalb einen Fünf-Punkte-Plan für Betroffene und Versorgende, der die besonderen Gegebenheiten berücksichtigt.

Zur Pressemitteilung der Verbände:
https://www.vdbd.de/fileadmin/user_upload/Pressemitteilungen/2026_05_PM_VDBD_DDG_ME_CFS_und_Diabetes_F.pdf

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