
Long COVID-News
Wir recherchieren und veröffentlichen aktuelle, qualitätsgesicherte Informationen zum Stand der Forschung und zu Therapie- und Rehabilitationsmöglichkeiten beim Long COVID-Syndrom.
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Vergütung für Behandlung bei Long COVID geregelt
Ende 2023 wurden mit der Long COVID-Richtlinie konkrete Versorgungspfade beschrieben,
um den Betroffenen eine Ärzte-Odyssee durch das Gesundheitssystem zu ersparen. Nun
wurde in einem nächsten Schritt über die vertragsärztliche Vergütung für
Behandlungsplanung und -koordination entschieden. Damit ist genau festgelegt, welche
Leistungen Ärzt*innen ab 1.1.2025 abrechnen können. Umfasst werden damit
Behandlungen bei Patientinnen und Patienten mit Long COVID oder Post Vac-Symptomen,
aber auch ähnlichen Erkrankungen wie ME /CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/
Chronic Fatigue Syndrom).
Mehr unter https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1226/
Mediziner*innen vom Universitätsklinikum Freiburg fanden in den Gehirnen von 15 Personen mit zuvor gut überstandener SARS-CoV-2-Infektion eine „Immunnarbe“ – einen Anzeiger dafür, dass das angeborene Immunsystem auch nach der akuten Infektion aktiviert geblieben ist. In einer Studie aus Frankreich konnte bei Menschen mit anhaltenden Long COVID-Symptomen dauerhafte Defizite im Gehirnstoffwechsel nachgewiesen werden. In einer weiteren Studie hat ein US-amerikanisches Forschungsteam aus Chicago eine Mutation im SARS-CoV-2-Virus entdeckt, die möglicherweise eine Rolle bei der Infektion des Gehirns spielen könnte.
weiterlesenFür eine vollständige Genesung von Betroffenen fordern Wissenschaftler*innen der Technischen Universität Chemnitz nachhaltige Nachsorgestrategien im Anschluss an eine Rehabilitationsmaßnahme. Damit ließen sich psychische Beschwerden sowie Fatigue-Symptome reduzieren und die Arbeitsfähigkeit wieder ermöglichen. Auch Maßnahmen wie Arbeitsplatzanpassungen und berufliche Rehabilitationsprogramme könnten eine Rolle für die erfolgreiche Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess spielen.
weiterlesenTherapie bei ME/CFS: Wirkstoff Cyclophosphamid zeigt positive Auswirkungen auf die Lebensqualität
In einer sechsjährigen Nachbeobachtungsstudie aus Norwegen konnte bei in einer Untergruppe von Patient*innen mit ME/CFS, denen der Wirkstoff Cyclophosphamid intravenös verabreicht wurde, eine positive Veränderung der subjektiv wahrgenommenen Lebensqualität festgestellt werden. Obwohl über keine ernsthaften Nebenwirkungen berichtet wurde, sollte ME/CFS-Patient*innen Cyclophosphamid jedoch außerhalb klinischer Studien nicht verabreicht werden. Das Medikament wirkt zytotoxisch (also zellschädigend) und birgt etwa die Gefahr einer Unfruchtbarkeit. Vielmehr sollten diese Daten helfen, die Krankheitsmechanismen von ME/CFS besser zu verstehen und eine gezielte und weniger toxische Immunbehandlung zu suchen.
Zur Studie: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0307484
Interview zu ME/CFS
Uta Behrends, Kinder-Hämatoonkologin und Professorin für pädiatrische Infektiologie der Kinderklinik Schwabing (Kooperation der Technischen Universität München und der München Klinik) spricht über die schwierige Diagnose und Behandlung von ME/CFS sowie die Notwendigkeit einer Förderung durch Bund und Länder für bessere Versorgung und Medikamentenentwicklung.
Zum Interview: https://www.ardmediathek.de/video/tagesschau24
Neue Spezialklinik für Patient*innen mit ME/CFS und Long COVID in Island
Auch in Island stieg in den letzten Jahren – insbesondere nach COVID-19 – die Zahl der Menschen mit ME/CFS-Diagnose. Diese sollen zukünftig in der im August 2024 eröffneten Akureyri-Klinik landesweit versorgt werden. Dabei wird die Registrierung von ME/CFS-Patient*innen an zentraler Stelle verwaltet und eine Datenbank zu ME/CFS und Long COVID aufgebaut. Wissenschaftler*innen bietet dies ein erweitertes Wissen über die Erkrankung – und gleichermaßen verbesserte Forschungsmöglichkeiten.
Mehr unter https://island.is/en/news/akureyri-clinic-formally-founded
Long COVID-Forschung: US-Studie findet keine nutzbaren Biomarker zur Diagnose
In einer Teilstudie der von der US-Regierung mit 1,15 Mrd. US-Dollar ausgestatteten RECOVER-Initiative konnte keiner der 25 getesteten Routinelaborwerte als verlässlicher Biomarker identifiziert werden. Jedoch fand man andere Auffälligkeiten bei Teilnehmenden mit vorheriger SARS-CoV-2-Infektion: So wurde eine höhere Albumin-Kreatinin-Rate im Urin festgestellt – ein Biomarker und frühes Anzeichen einer Nierenerkrankung. Darüber hinaus wurden höhere Langzeit-Blutzuckerwerte (HbA1c) gemessen, was für ein erhöhtes Diabetesrisiko spricht. Auch waren bei den Teilnehmenden mit Long COVID-Symptomen sowohl die Blutplättchenzahlen als auch das hochsensitive C-reaktive Protein (hsCRP) tendenziell erhöht. Dies deutet auf einen anhaltenden Entzündungszustand hin. Die Forschenden schränken jedoch ein: „Die Messung der Plättchenzahl ist kein verlässlicher Biomarker für Long COVID; um eine Störung der Plättchen nachzuweisen, die mit Long COVID zusammenhängt, sind spezifischere Marker der Plättchenbiologie erforderlich“.
Zur Studie: https://www.acpjournals.org/doi/10.7326/M24-0737
Waldbad-Intervention lindert Symptome bei Long COVID
In Japan gehört das „Waldbaden“ – auf Japanisch Shinrin Yoku – mittlerweile zum Teil der nationalen Gesundheitsfürsorge. Nun hat eine Pilotstudie an der Universität Hildesheim die Machbarkeit einer zweiwöchigen Audio- und Achtsamkeits-basierten Waldbad-Intervention und deren Auswirkungen auf bestehende Long COVID-Symptome untersucht. Ihr Ergebnis: Die Gesamtsymptome und Müdigkeit nahmen ab, während sich das Wohlbefinden steigerte. Die Teilnehmenden konnten zudem Strategien zur Stressbewältigung immer besser anwenden.
Zur Studie: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2212657024000412
Long COVID-Therapie: Blockade des Sternganglions zeigt positive Wirkung
Forschende der University of Alaska in Anchorage, USA, veröffentlichten Ergebnisse einer kurzfristigen Blockade des Sternganglions (Ganglion stellatum) mittels Lokalanästhesie. Dieser Nervenknoten seitlich des ersten Brustwirbels überträgt Nervensignale an Kopf, Hals, Arme und einen Teil der oberen Brust. Eine Blockade erhöht unter anderem den Blutfluss des Gehirns. Die untersuchten Patient*innen berichteten von weniger Müdigkeit sowie gemilderten Symptomen; etwa einer verbesserten geistigen und körperlichen Aktivität, verringerten Gedächtnisproblemen, Konzentrationsstörungen, Schlafproblemen, Angstzuständen und Depressionen.
Zur Studie: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1566070224000493
Wissenschaftler*innen fordern eine Anpassung beruflicher oder schulischer Zeitpläne für Menschen mit Long COVID
Britische Forschende berichten in einem Artikel in The Lancet Regional Health, dass alle Arten von körperlicher, kognitiver, sozialer oder emotionaler Anstrengung zu einer Verschlechterung der mit Long COVID verbundenen Symptome wie Fatigue oder Herzrasen führen können. Dies zeigen Daten von 376 Long COVID-Erkrankten, deren Aktivitäten und Symptome über einen Zeitraum bis zu 24 Tagen engmaschig protokolliert wurden. Wissenschaftskollegen aus Italien unterstrichen in einem Kommentar die hohe Relevanz dieser Studie. Um Isolation, Arbeitsplatzverlust und soziale Nachteile zu vermeiden, sollten Patient*innen ihrer Meinung nach daher ihre Zeitpläne anpassen.
Zum Artikel: https://www.thelancet.com/journals/lanepe/article/PIIS2666-7762(24)00249-7/fulltext
Hinweis der Redaktion: Für ein gezieltes Selbstmanagement bei körperlichen und geistigen Aktivitäten eignen sich Pacing-Strategien. Neben einer Verbesserung der allgemeinen Gesundheit ermöglicht es den Betroffenen, ihre ursprüngliche Leistungsfähigkeit wiederzuerlangen und an den Arbeitsplatz zurückzukehren.