
Long COVID-News
Wir recherchieren und veröffentlichen aktuelle, qualitätsgesicherte Informationen zum Stand der Forschung und zu Therapie- und Rehabilitationsmöglichkeiten beim Long COVID-Syndrom.
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Immunologische Erklärung für Long COVID: daueraktive Monozyten
Eine aktuelle Studie des Centre for Individualised Infection Medicine, dem Zentrum für Individualisierte Infektionsmedizin in Hannover, hat einen wichtigen Baustein bei der Suche nach den Ursachen von Long COVID identifiziert. Bei Betroffenen ist demnach eine bestimmte Art von weißen Blutkörperchen (CD14⁺Monozyten) dauerhaft aktiviert, was einen andauernden, systemischen Entzündungsprozess verursacht. Dieser korrelierte mit typischen Symptomen wie Fatigue, Atemnot bei Belastung, eingeschränkter Lungenfunktion sowie Leistungseinbrüchen. Das Fazit der Forscher*innen: Long COVID sei biologisch erklärbar und beruhe vermutlich wesentlich auf einer systemischen Immunfehlregulation, die sich in dem Aktivierungszustand einer bestimmten Gruppe Monozyten zeigt, die Teil des angeborenen Immunsystems sind.
Forschende entdecken Parallelen zwischen Long COVID und Alzheimer
Eine aktuelle Studie der NYU Grossman School of Medicine zeigt, dass bei Menschen mit Long COVID der sogenannte Plexus Choroideus, ein Gefäßsystem im Gehirn, das Hirnwasser produziert, verändert ist: Er ist vergrößert, aber schlechter durchblutet. Diese Veränderungen gehen mit erhöhten Plasmakonzentrationen verschiedener neurodegenerativer Marker im Blut einher, die auch bei Menschen mit Alzheimer vorkommen. Im nächsten Schritt wollen die Forschenden die Patient*innen weiter beobachten, um herauszufinden, ob sich an den Veränderungen im Gehirn ablesen lässt, wer langfristig kognitive Beeinträchtigungen entwickelt.
Zum Artikel: https://www.aerzteblatt.de/news/long-covid-plexus-choroideus-pathologie-und-parallelen-zur-alzheimerkrankheit
Robert Koch-Institut veröffentlicht Bestandsaufnahme zu Langzeitfolgen von SARS-CoV-2-Infektionen
Laut einer im Februar veröffentlichten Studie des Robert Koch-Instituts sind etwa zehn bis 15 Prozent aller Erwachsenen, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben, von Long-COVID-Symptomen betroffen. Ausschlaggebend für das Auftreten der Symptome sind gesundheitliche Vorbelastungen, die Virusvariante, der Impfstatus, aber auch soziodemografische Faktoren. Bei einem Großteil der Betroffenen bilden sich die Symptome jedoch innerhalb eines Jahres zurück. Halten Beschwerden länger an, führt das zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität und Teilhabe sowie zu erhöhtem medizinischem Versorgungsbedarf. Der Bericht wurde basierend auf fortlaufender Literaturrecherche zusammengestellt.
Zum Bericht: https://edoc.rki.de/handle/176904/13415
Ein Forschungsteam von der Columbia University in New York hat untersucht, wie ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) mit langfristigen Entzündungen und Immunreaktionen zusammenhängt. Die Studie zeigt bei den Betroffenen eine fehlregulierte Immunantwort auf Infektionen und eine verstärkte angeborene Immunreaktion auf Mikroben. Die Ergebnisse könnten helfen, gezielte Behandlungen für ME/CFS und ähnliche postinfektiöse Syndrome zu entwickeln.
weiterlesenEine Studie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention zeigt, dass psychische Symptome sowohl nach einer SARS-CoV-2-Infektion (Long COVID) als auch nach einer COVID-19-Impfung (Post Vac) mit über 12 Prozent relativ häufig sind. Hierdurch bestehe die Gefahr, dass eine eigenständige, bereits zuvor zugrundeliegende Depression übersehen bzw. falsch diagnostiziert wird, was zu einer verzögerten Behandlung führen kann. Weitere Forschung sei daher erforderlich, um geeignete Diagnose- und Behandlungsstrategien entwickeln zu können.
weiterlesenOxidativer Stress ist gemeinsames Merkmal bei ME/CFS und Long COVID-Betroffenen
In einer Untersuchung der bioenergetischen Eigenschaften von weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) bei 27 ME/CFS- und 20 Long COVID-Patient*innen wurde diese Auffälligkeit festgestellt. Der oxidative Stress führt zu mitochondrialen Schädigungen und einem übermäßigen Energieverbrauch der Lymphozyten, was wiederum zu Müdigkeit führt. Die Ergebnisse deuten auf eine gemeinsame Grundlage für die Krankheitsausprägungen von ME/CFS und Long COVID hin, die durch quantitative Blutzellmessungen nachgewiesen werden könnten. Die Forschenden diskutieren zudem, dass mithilfe von Standard-Lymphozytenstimulationstests künftig patientenindividuelle Medikamente entdeckt werden könnten.
Zur Studie: https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2426564122
Pilotstudie: Krebsmedikament Daratumumab zeigt auch bei ME/CFS positive Wirkung
In einer Pilotstudie der Universität Bergen (Norwegen) wurden bei 6 von 10 Patientinnen nach der Injektion des Medikaments Daratumumab (monoklonaler Antikörper) positive Ergebnisse beobachtet. Bisher wurde dieses in der Krebstherapie eingesetzt. Bei sechs Probandinnen erhöhte sich die körperliche Leistungsfähigkeit, während die ME/CFS-Symptomatik zurückging. Auch konnten die Patient*innen teilweise wieder mehr als 10.000 Schritte am Tag gehen. Nun ist eine randomisierte Placebo-kontrollierte Phase-II-Studie geplant.
Zur Studie: https://www.frontiersin.org/journals/medicine/articles/10.3389/fmed.2025.1607353/full
Grundlagenforschung: Wirkstoff Pyridostigmin verbessert die Handkraft bei ME/CFS
In einer am Institut für Medizinische Immunologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin durchgeführten Studie wurde bei 20 ME/CFS-Patient*innen die Wirkung von Pyridostigmin untersucht. Der Wirkstoff wird vor allem zur Behandlung von neuromuskulären Erkrankungen eingesetzt, um die Muskeltätigkeit anzuregen. Die Ergebnisse waren vielversprechend: So konnte nach Verabreichung des Medikaments mittels Handkraftmessung eine rasche Steigerung der Muskelkraft festgestellt werden. Den Forschenden zufolge rechtfertigt dies weitere Untersuchungen in kontrollierten Studien.
Zur Studie: https://www.frontiersin.org/journals/neuroscience/articles/10.3389/fnins.2025.1637838/full
Visuelles Testverfahren für Patient*innen mit starker Erschöpfung und Sauerstoffsättigungsdefiziten
Ein Forschungsteam an der Universitätsklink Erlangen hat mittels einer Nahinfrarot-Regional-Spektroskopie (NIRS) bei Long COVID-Patient*innen mit PEM (Belastungsintoleranz) eine niedrigere Sauerstoffsättigung festgestellt. Der Sauerstoffmangel führt zu Kurzatmigkeit, Müdigkeit sowie zu einem erhöhten Herzschlag. Die Forschenden haben die Hoffnung, dass mit diesem visuellen Untersuchungsverfahren für eine spezifische Patient*innen-Gruppe ein aussagekräftiger Biomarker zur Diagnose von Long COVID entwickeln werden kann.
Zur Studie: https://www.mdpi.com/2227-9059/13/6/1371
Wirkung von Fasten und Kalorienbeschränkung auf Long COVID-Symptome
Ein internationales Team von Forschenden hat im Rahmen einer Literaturstudie Hinweise auf die positive Wirkung von Fasten und Kalorienbeschränkung recherchiert. Beides könnte geeignet sein, um Long COVID-Symptome wie Müdigkeit, kognitive Beeinträchtigungen und chronische Entzündungen zu lindern. In verschiedenen Studien wurde beschrieben, dass Nüchternheit und Kalorienrestriktion systemische Entzündungen reduzieren, die Insulinsensitivität verbessern und die metabolische Gesundheit unterstützen können. Zum Nachweis der Wirksamkeit sowie zur optimalen Dauer, Häufigkeit und Art des Fastens beim Long COVID-Syndrom sind randomisiert kontrollierte Studien notwendig.
Mehr unter: https://academic.oup.com/nutritionreviews/advance-article/doi/10.1093/nutrit/nuaf141/8251944#531589631