
Long COVID-News
Wir recherchieren und veröffentlichen aktuelle, qualitätsgesicherte Informationen zum Stand der Forschung und zu Therapie- und Rehabilitationsmöglichkeiten beim Long COVID-Syndrom.
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Neue Medikamentenstudien: Bislang kein echter Wirksamkeitsnachweis
Zwei aktuelle Meldungen des Deutschen Ärzteblatts berichten über zwei randomisierte Studien zu Therapieansätzen mit Medikamenten. Eine zwölfwöchige Behandlung mit dem entzündungshemmenden Colchicin oder der Antihistaminika-Kombination aus Famotidin und Loratadin verringerte Fatigue bei Long COVID nur leicht – der Effekt war zudem nach weiteren zwölf Wochen nicht mehr nachweisbar. Auch für den Gerinnungshemmer Rivaroxaban ergab die bisher größte kontrollierte Studie keinen Hinweis auf eine Wirkung.
Zudem wurde die bisher größte randomisierte Studie zu Paxlovid (Nirmatrelvir/Ritonavir) veröffentlicht. Anders als bei der Behandlung der akuten Infektion, zeigte sich bei bereits bestehendem Long COVID kein Nutzen: Die Behandlung über 15 oder 25 Tage führte nicht zu einer schnelleren Erholung von kognitiven, autonomen oder körperlichen Beschwerden als der Einsatz von Placebo.
Zu den Artikeln:
- Studie zu Rivaroxaban, Colchicin und Famotidin-Loratadin in The Lancet:
https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(26)00242-2/fulltext - Ärzteblatt: Colchicin und Antihistaminika zeigen bei Long COVID nur begrenzte Wirkung (https://www.aerzteblatt.de/news/colchicin-und-antihistaminika-zeigen-bei-long-covid-nur-begrenzte-wirkung-43b584ed-fe1c-449c-94af-32e8a2a6ed65?utm_medium=email&utm_source=CR&utm_campaign=NL-DAE_Tagesaktuelle-Nachrichten&utm_content=Mailing_20260713 )
- Studie zu Paxlovid in The Lancet:
https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(26)00406-8/fulltext - Ärzteblatt: Long COVID: Paxlovid bleibt in bisher größter randomisierter Studie ohne Wirkung (https://www.aerzteblatt.de/news/long-covid-paxlovid-bleibt-in-bisher-grosster-randomisierter-studie-ohne-wirkung-25249637-5c14-4ad2-b675-2a4f63cc3804)
Diabetesverbände empfehlen Fünf-Punkte-Plan für ME/CFS-Betroffene mit Diabetes
Die Behandlung von Menschen mit Diabetes und ME/CFS erfordere gute Kenntnisse über beide Erkrankungen und deren Wechselwirkungen, sagt Prof. Dr. med. Carmen Scheibenbogen von der Charité Universitätsmedizin Berlin. Nicht nur könnten sich beide Erkrankungen aufeinander auswirken – Symptome könnten auch fehlinterpretiert werden, etwa wenn Blutzuckerabfälle mit Kreislaufproblemen verwechselt werden. Der Verband der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfehlen deshalb einen Fünf-Punkte-Plan für Betroffene und Versorgende, der die besonderen Gegebenheiten berücksichtigt.
Zur Pressemitteilung der Verbände:
https://www.vdbd.de/fileadmin/user_upload/Pressemitteilungen/2026_05_PM_VDBD_DDG_ME_CFS_und_Diabetes_F.pdf
Antidepressivum mildert womöglich Fatigue bei Long COVID
Möglicherweise mildert das Antidepressivum Fluvoxamin Fatigue-Symptome bei Menschen mit Long COVID. Das geht aus einer randomisiert kontrollierten Studie hervor, die an 22 Zentren in Brasilien durchgeführt wurde. Die Untersuchung hat bei 399 Teilnehmer*innen die Wirkung von Metformin und Fluvoxamin mit einem Placebo verglichen. Die Wirkung wurde anhand der „Fatigue Severity Scale“ gemessen, einer validierten 7-Punkte-Likert-Skala zur Messung des Schweregrads von Fatigue. Bei den Teilnehmenden der Fluvoxamin-Gruppe verbesserte sich die Müdigkeit am schnellsten. Bei Metformin konnte keine Wirkung nachgewiesen werden. Die Ergebnisse müssen nun in weiteren Studien mit größeren Teilnehmendenzahlen bestätigt werden. Außerdem müssen neben Fatigue auch weitere Symptome von Betroffenen einbezogen werden.
Zur Studie:
https://www.acpjournals.org/doi/10.7326/ANNALS-25-03959
Vorschlag für serotonerge Psychedelika zur Behandlung von Long COVID
Seit längerem wird geforscht, ob ein Serotoninmangel an der Entstehung von Long COVID beteiligt sein könnte (siehe Ärzteblatt). Auf Basis einer umfassenden Literaturrecherche schlussfolgert nun ein internationales Forschungsteam, dass serotonerge Psychedelika (mit dem Botenstoff Serotonin) zur Linderung von Long COVID-Symptomen beitragen könnten. Die Hypothese ist, dass diese Wirkstoffe bei Gefäßveränderungen, Geruchsstörungen, Schlafproblemen, kognitiven Einschränkungen oder auch psychischen Einschränkungen eingesetzt werden könnten. Weitere Forschung ist notwendig, um robuste klinische Daten über die Wirkung von serotonergen Psychedelika bei Long COVID zu gewinnen.
Zur Studie: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0278584625000338