Forschung

Übersichtsarbeit: Was treibt Long COVID im Körper an?

Warum Long COVID so vielfältig ist: Immunstörungen, Virusreservoire und Mikrothrombosen – eine Übersichtsarbeit fasst die aktuellen Erkenntnisse zusammen.

Ein internationales Forschungsteam hat im April 2026 eine umfangreiche Übersichtsarbeit zu den biologischen Ursachen und Krankheitsmechanismen von Long COVID veröffentlicht – erschienen in der Fachzeitschrift „Communications Medicine“ der Springer Nature Verlagsgruppe. Die Autor*innen haben dafür den internationalen Stand der Forschung zusammengefasst, um die körperlichen Vorgänge bei Long COVID besser einordnen und erklären zu können.

Long COVID ist laut der Übersichtsarbeit eine große gesundheitliche Herausforderung unserer Zeit: Schätzungen zufolge sind weltweit zwischen 65 und 400 Millionen Menschen von anhaltenden Beschwerden nach einer SARS-CoV-2-Infektion betroffen. Die wirtschaftlichen Folgekosten, etwa durch Gesundheitskosten und Arbeitsunfähigkeit, werden auf über eine Billion US-Dollar jährlich geschätzt. Das Krankheitsbild ist dabei ausgesprochen vielfältig: Die Forschenden beschreiben über 200 mögliche Symptome, die von milder Beeinträchtigung bis hin zu schweren Einschränkungen reichen können.

Die Übersichtsarbeit zeigt, dass bei Betroffenen mehrere körperliche Prozesse eine Rolle spielen können, oft auch gleichzeitig. Zu den beschriebenen Mechanismen gehören dauerhafte Entzündungsreaktionen, ausgelöst durch eine Überaktivierung bzw. Fehlfunktion des Immunsystems, bei denen sich Abwehrreaktionen gegen den eigenen Körper richten. In diesem Zusammenhang werden verbleibende Bestandteile des Coronavirus SARS-CoV-2 im Körpergewebe – sogenannte Virusreservoire –, etwa im Darm, im Gehirn oder in den Muskeln, als mögliche Ursache diskutiert. Sie könnten das Immunsystem dauerhaft aktiviert halten und so anhaltende Beschwerden begünstigen.

Daneben spielen winzige Blutgerinnsel (Mikrogerinnsel) eine wichtige Rolle. Sie stören den Blutfluss in feinsten Gefäßen und können dazu führen, dass Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Weitere Faktoren sind Funktionsstörungen der Mitochondrien, die für die Energieproduktion zuständig sind sowie Fehlfunktionen des autonomen Nervensystems, das lebenswichtige Körperfunktionen wie Herzschlag und Blutdruck steuert.

Diese verschiedenen Mechanismen treten bei Betroffenen in unterschiedlicher Ausprägung auf, was den Forschenden zufolge erklärt, warum das Krankheitsbild so unterschiedlich aussehen kann. Je nach Person stehen andere Beschwerden im Vordergrund, etwa extreme Erschöpfung nach körperlicher Belastung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme oder Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Trotz der gewachsenen Erkenntnisse betonen die Autor*innen, dass die genauen Abläufe im Körper noch nicht vollständig verstanden sind. Für eine verlässliche Diagnose fehlen bislang eindeutige biologische Marker im Blut. Ebenso gibt es noch keine evidenzbasierte, ursächliche Behandlung. Die Forschenden fordern daher mehr interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit. Sowohl bei der Ursachenforschung als auch bei der Entwicklung passgenauer Therapien für die unterschiedlichen Ausprägungen von Long COVID.

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