Forschung

Review untersucht antivirale COVID-19-Therapie

Ein aktueller Cochrane-Review liefert neue Erkenntnisse zur ambulanten Behandlung von COVID-19. Das American College of Physicians (ACP) hat darauf basierend seine Praxisempfehlungen aktualisiert – mit wichtigen Hinweisen auch für Deutschland.

Für die meisten Menschen bedeutet eine Infektion mit SARS-CoV-2 heute wenig mehr als eine vorübergehende Erkrankung – anders sieht es für ältere Personen und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen aus, die weiterhin ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Für sie stehen antivirale Medikamente zur Verfügung. Neue Erkenntnisse geben nun Aufschluss darüber, welche Mittel während der akuten Erkrankung helfen.

Cochrane Österreich, ein globales, unabhängiges Netzwerk von Wissenschaftler*innen, Gesundheitsfachleuten und Patient*innen, hat im Auftrag des American College of Physicians (ACP) eine aktualisierte Übersichtsarbeit zu antiviralen Wirkstoffen gegen COVID-19 vorgenommen, die im Februar 2026 in der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine erschienen ist. Im Fokus stand der ambulante Einsatz sechs antiviraler Wirkstoffe für Erwachsene mit symptomatischer, bestätigter SARS-CoV-2-Infektion – sowohl für Geimpfte als auch Ungeimpfte.

Einbezogen wurden sechs randomisierte kontrollierte Studien und eine retrospektive Kohortenstudie mit Teilnehmenden im Alter zwischen 35 und 61 Jahren, von denen die meisten verschiedene Begleiterkrankungen hatten. Das Ergebnis: Nirmatrelvir-Ritonavir und Molnupiravir zeigten den größten Nutzen. Nirmatrelvir-Ritonavir, bekannt unter dem Handelsnamen Paxlovid, ist auch in Deutschland im Einsatz, Molnupiravir hat in der EU bislang keine Zulassung erhalten.

Molnupiravir verbesserte indes die frühe Genesung nach 14 Tagen und es gibt in den ausgewerteten Studien Hinweise darauf, dass es die Genesungszeit im Vergleich zu keiner oder einer Standardbehandlung deutlich verkürzt. Auch traten langanhaltende Symptome drei bis sechs Monate nach der Infektion seltener auf – ein Hinweis, der für Long COVID-Betroffene besonders relevant ist. Nirmatrelvir-Ritonavir verbesserte ebenfalls die Genesungsrate nach 20 Tagen, erhöhte jedoch leicht die Rate unerwünschter Ereignisse. Im direkten Vergleich der beiden Mittel zeigten sich keine wesentlichen Unterschiede im Genesungsergebnis.

Das ACP spricht deshalb zwei Praxisempfehlungen aus: Bei symptomatischen Patient*innen mit bestätigter leichter bis mittelschwerer COVID-19-Erkrankung mit Symptombeginn vor weniger als fünf Tagen und erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf sollte eine Kombination aus Nirmatrelvir und Ritonavir (Paxlovid) oder Molnupiravir in Betracht gezogen werden.

Wichtig dabei zu beachten: Beide Medikamente sind in den USA mit Warnhinweisen versehen. Für Nirmatrelvir-Ritonavir hat auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen Rote-Hand-Brief herausgegeben – wegen potenziell lebensbedrohlicher Wechselwirkungen mit bestimmten Immunsuppressiva. Das ACP empfiehlt daher ausdrücklich, vor Beginn einer Behandlung alle Begleitmedikamente und mögliche Wechselwirkungen sorgfältig zu prüfen. In Deutschland wird laut aktueller S3-Leitlinie zusätzlich Remdesivir zur antiviralen Therapie empfohlen. Es wurde in der Übersichtsarbeit jedoch nicht berücksichtigt, weil es per Infusion in spezialisiertem Setting gegeben wird und in diesem Review nur ambulante Therapien betrachtet wurden.

Für die Long COVID-Prävention liefern die Ergebnisse einen Hinweis darauf, dass eine frühe antivirale Therapie das Risiko länger anhaltender Beschwerden reduzieren könnte. Ob sich daraus ein verlässlicher präventiver Effekt auf Long COVID ableiten lässt, ist jedoch noch unklar.

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