Positionspapier zu Post COVID: Verbände stellen Forderungen an Politik und Versorgung

DGPPN und DGPM haben ein gemeinsames Positionspapier zum Post COVID-Syndrom veröffentlicht. Darin wenden sie sich gegen eine Bagatellisierung der Erkrankung und fordern einen interdisziplinären Ansatz in Diagnose, Behandlung und Forschung.
Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sowie die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) haben im April 2026 ein gemeinsames Positionspapier zum Post COVID-Syndrom (PCS) veröffentlicht. Darin ordnen die beiden größten medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften auf dem Gebiet der psychischen Gesundheit das Krankheitsbild fachlich ein und formulieren konkrete Empfehlungen für Versorgung, Forschung und Politik.
Ein zentrales Anliegen: Das Post COVID-Syndrom dürfe weder bagatellisiert noch einseitig erklärt werden. Aussagen wie „Das gibt es nicht“ oder „Das ist nur eine Modediagnose“ hätten keine empirische Grundlage und führten zu Unter- und Fehlbehandlung.
Genauso wenig sei es sinnvoll, die Erkrankung allein auf psychische oder körperliche Ursachen zurückzuführen. „Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage dafür, PCS ausschließlich als psychische oder ausschließlich als körperliche Erkrankung zu verstehen“, stellt Prof. Dr. Martin Walter, Leiter der Task-Force Post COVID der DGPPN, in der Pressemitteilung zum Positionspapier klar. Stattdessen brauche es eine differenzierte, multiprofessionelle Betrachtung, die körperliche, psychische und soziale Faktoren gleichermaßen berücksichtigt.
Für die medizinische Versorgung leiten DGPPN und DGPM aus diesem Krankheitsverständnis mehrere konkrete Empfehlungen ab. Wichtig sei zum einen eine sorgfältige Differentialdiagnostik, bei der auch psychiatrische und psychosomatische Begleiterkrankungen und Befunde berücksichtigt werden. Zum anderen müsse die Behandlung immer die individuellen Belastungsgrenzen der Betroffenen im Blick behalten. Pacing, also das gezielte Einteilen von Energieressourcen, um eine Überlastung zu vermeiden, sei für viele Betroffene essenziell.
Darüber hinaus empfehlen die Fachgesellschaften, allen Betroffenen psychotherapeutische Unterstützung anzubieten, sowohl zur Behandlung psychischer Begleiterkrankungen als auch zur Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung oder bei Fatigue-Symptomen. Insgesamt müsse die Versorgung interdisziplinär, interprofessionell und vernetzt gestaltet werden.
An die Politik richten DGPPN und DGPM ebenfalls klare Forderungen. Das gesellschaftliche Verständnis für Post COVID müsse durch gezielte Informationskampagnen gestärkt werden. Die Forschung solle interdisziplinärer ausgerichtet und besser koordiniert werden: ressort- und förderquellenübergreifend, auch auf europäischer Ebene. Genehmigungsverfahren für klinische Studien müssten beschleunigt werden, damit neue Erkenntnisse schneller in die Praxis fließen. Und schließlich müsse die Finanzierung der Leistungserbringer*innen verbessert werden, damit die komplexe, multidisziplinäre Behandlung von Post COVID-Betroffenen überhaupt gewährleistet werden kann.
Unterstützt wird das Positionspapier von zahlreichen weiteren Fachgesellschaften und Verbänden, darunter die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) und das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG).
Weiterführende Links:
- Positionspapier: https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/ada7030d8776846743dc0594010bf64c3fd0d9f3/2026_DGPPN%20DGPM%20Positionspapier_Post-Covid.pdf
- Pressemitteilung der DGPPN: https://www.dgppn.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2026/komplexe-erkrankung-klare-forderungen.html
Diesen Beitrag teilen:
Über Telegram teilen
Auf X (Twitter) teilen
Auf WhatsApp teilen
Auf LinkedIn teilen
Per E-Mail teilen
Vielleicht interessiert Sie auch
Details zur Qualitätssicherung der gesundheitsbezogenen Inhalte lesen Sie bitte in unserem Methodenpapier.



