Forschung

Entzündungen und Mikroblutgerinnsel können Long COVID antreiben

Forscher*innen aus Shanghai haben in einem Kommentar in der Fachzeitschrift „Frontiers in Medicine“ aktuelle Erkenntnisse zu Long COVID analysiert. Die Grundfrage: Welche biologischen Mechanismen treiben die Erkrankung voran und welche Therapieansätze werden derzeit erforscht?

Mindestens 65 Millionen Menschen sind weltweit von Long COVID betroffen. Doch noch immer ist nicht geklärt, was die Erkrankung genau auslöst. Damit bleibt auch offen, was wirklich hilft. Um sich diesen Fragen zu nähern, haben Forschende des Ruijin-Krankenhauses im Verbund mit der Shanghai Jiao Tong Universität einen Überblick erstellt.

Darin fassen sie zum einen die Auslöser für Long COVID zusammen. Dazu gehören etwa bestimmte Entzündungswerte, die bei vielen dauerhaft erhöht sind. Auch Mikroblutgerinnsel könnten zur Entstehung von Long COVID beitragen. Es wird davon ausgegangen, dass das Spike-Protein des SARS-CoV-2-Virus die Blutgerinnung verändert. Dabei können kleinste Gerinnsel entstehen, die die Durchblutung feinster Blutgefäße stören und so die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen.

Ein weiterer Faktor könne sein, dass das Virus oder Teile davon über einen langen Zeitraum im Körper verbleiben und so das Immunsystem dauerhaft aktiv halten. Oft gibt es auch Störungen des Energiestoffwechsels. Bei einigen Betroffenen ist zudem die Darmflora verändert. Auch fehlgeleitete Immunreaktionen werden diskutiert.

Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich verschiedene Behandlungsansätze, die die Forscher*innen zusammenfassen. Die Frühbehandlung der akuten Infektion spielt etwa eine wichtige Rolle. Antivirale Medikamente oder Metformin können das Risiko für die Entstehung von Long COVID senken, insbesondere bei frühzeitigem Einsatz und bei bestimmten Risikogruppen.

Auch entzündungshemmende Therapien und Gerinnungshemmer können bei der Behandlung eingesetzt werden, um anhaltende Entzündungen und die Entstehung von Mikrogerinnseln zu beeinflussen. Immer wieder werden auch symptomorientierte Therapien eingesetzt, wie zum Beispiel Medikamente, die bestimmte Organe, die im individuellen Fall betroffen sind, in den Fokus nehmen. Aber auch nicht-medikamentöse Ansätze spielen eine wichtige Rolle, wie zum Beispiel Pacing oder Atemtraining, hyperbare Sauerstofftherapie und passende Reha-Programme.

Eine allgemein wirksame, evidenzbasierte Behandlung gibt es bislang nicht. Dennoch bieten die verschiedenen Ursachen auch verschiedene Ansatzpunkte, das Risiko für die Entstehung von Long COVID zu senken oder die Folgen zu behandeln. Um die Situation von Betroffenen zu verbessern, seien weiterhin Untersuchungen und Studien auch in größerem Maßstab notwendig.

Weiterführende Artikel:

https://journal.hep.com.cn/fmd/EN/1159693132742844658
https://www.sciencedaily.com/releases/2026/01/260107225532.htm

Link zur Studie (Bezahlschranke):
https://link.springer.com/article/10.1007/s11684-025-1149-z

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